1300
Meter vor Ypern!
Berlin,
28. April.
Die ersten Früchte der Eroberung des Kemmelberges beginnen zu
reifen: Die Engländer waren gezwungen, einen weiteren Teil des mit
unendlichem Blute erkauften Schlachtfeldes des vorjährigen Herbstes
preiszugeben. Von südlich Langemarck bis zum Kanal Ypern - Komen
stellten die ständig vorfühlenden deutschen Patrouillen in den
frühen Morgenstunden des 27. fest, daß der Gegner begann, seine Stellungen
zu räumen. Sofort drängte die deutsche Infanterie scharf nach
und zwang dadurch den Feind zu heftigen, für ihn sehr verlustreichen
Gefechten.
St. Julien, Freezenberg, Zillebeke wurden genommen, alles Orte, deren
Eroberung vor noch nicht einem halben Jahre in ganz England und der ihr
verbündeten Welt als große Siege gefeiert wurden. Die Sudwestecke
des Zillebeker Sees wurde erreicht. Die Deutschen stehen dort nur noch
etwa 1300 Meter von der Stadtmauer von Ypern entfernt. Während dieser
Verfolgungskämpfe stieß der Generalstabsoffizier einer Division
mit 30 Infanteristen und einem Husaren über den Kanal Ypern-Komen
vor, griff eine englische Stellung überraschend an, nahm 120 Engländer
gefangen und erbeutete 10 Maschinengewehre. Südlich des Kanals wurden
einige Maschinengewehrnester ausgenommen. Im Vorgelände des Kemmelmassivs
erneuerte der Feind seine Angriffe nicht. Nördlich Dranoeter stieß
ein bayerisches Regiment nach Abwehr eines feindlichen Angriffes dem weichenden
Gegner aus eigenem Antrieb nach und nahm im schneidigen Nachtangriff das
Dorf Loker und das zäh verteidigte Hospiz östlich des Ortes.
Das benachbarte thüringische Bataillon schloß sich selbständig
diesem Angriff an und warf den Feind von den Hohen südlich Loker
hinunter. Die beiderseitigen Artillerien waren sehr tätig. Auch der
südliche Teil der belgischen Front wurde von den Deutschen unter
starkes Wirkungsfeuer genommen.
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